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Warum oder Wofür?

Mein liebstes und auch eines der mächtigsten Werkzeuge in der psychsozialen Beratung ist die Frage bzw. die Fragen.

Da hätte ich jetzt direkt eine Frage an dich: Wenn du so überlegst, wenn du mit dir selbst haderst, wenn du unzufrieden bist mit dem, wie etwas läuft, vielleicht auch aus der Kindererziehung, wie Eltern mit Kindern reden, wenn sie nerven, oder auch Kollegen und Kolleginnen, wenn es gerade Situationen mit Konfliktpotenzial gibt: Was kommen da so für Fragen, üblicherweise?


Wahrscheinlich hauptsächlich “Warum-Fragen”? Ich lass das jetzt mal so stehen.

Wieso Fragen wichtig sind

Wieso genau sind Fragen so wichtig, insbesondere in der psychosozialen Beratung, im Coaching? Wer fragt, führt das Gespräch. Wer fragt, lenkt den Fokus (hoffentlich bewusst!) in eine bestimmte Richtung und kann so auch das Gespräch in eine Richtung lenken. Das bedeutet, Fragen sollten nicht nur sensibel, sondern auch möglichst allparteilich* gestellt werden. Als Beraterin gebe ich dir, mit ausgewählten Fragen, die Möglichkeit, ganz neue Sichtweisen auf altbekannte Dinge zu bekommen.

In der psychosozialen Beratung gilt: ICH führe durch den Prozess, DU gibts den Inhalt vor. Da natürlich nur du das gesamte Ausmaß der Gegebenheiten kennst, ist es umso wichtiger gaaaaanz viele unterschiedliche Fragen zu stellen, damit ich ein gutes Gefühl für deine Gedanken bekommen kann.

Über Fragen und Wozu usw. könnte ich einen eigenen Beitrag schreiben. Jetzt möchte ich auf zwei besonders richtungsweisende Fragen eingehen.


*Allparteilichkeit im Coaching: Möglichst viele Perspektiven und Möglichkeiten (Situationen, Szenen, Personen,...) in Betracht ziehen und möglichst wenige weglassen.


Warum vs. Wofür

Das bedeutet doch beide das gleiche? Jain… 

Ein “Warum” richtet unseren Fokus eher in die Vergangenheit. Auf Dinge und Situationen, die wir nicht mehr beeinflussen können. Die Frage “Warum passiert mir das immer wieder?” beispielsweise richtet unseren Blick auf die Ursache eines Problems. Ob wir die Ursache damit wirklich finden, sei jetzt einmal dahingestellt. Wir könnten auch sagen, die Frage stellt uns in den “Problemraum”. Was wir dort bestimmt finden, sind ganz viele Dinge, die schlecht laufen. Was wir dort garantiert nicht finden, ist die Lösung.


Die Lösung finden wir im “Lösungsraum”. Die Türe dorthin öffnet die Frage “Wofür?”. “Wofür” ist eher zukunftsgerichtet. Wir können damit Ziele und Bedürfnisse abfragen.

“Wofür ist es mir denn wichtig, dass ich die Geschichte immer und immer wieder erzähle?” könnte beispielsweise eine Frage nach dem dahinter stehenden Bedürfnis sein. Etwa: “Es ist wichtig, weil ich meine Gedanken jedes Mal neu sortieren kann.” - Gedanken sortieren ist also wichtig. Oder “Wofür mache ich die Ausbildung denn eigentlich?” könnte das Ziel klarer machen. Beispielsweise: "Die Ausbildung ist der Grundstein für meine Karriere in der IT.” Dann wissen wir, dass eine Karriere in der IT das Ziel ist und können von da weg in diese Richtung arbeiten.


Zusammenfassend würde ich sagen: Du brauchst ein kleines “Warum”, als sogenannte “Weg-von-Motivation” und ein großes “Wofür” als “Hin-zu-Motivation”. Das “Wofür” hilft uns, langfristig den Kurs zu halten. Es ist ein wertvolles Maß, an dem wir Entscheidungen messen können. Die gesunde Mischung aus beiden macht es aus. 


Wenn du dazu mehr wissen möchtest oder du dir schwer tust, dein “Wofür” zu finden oder dazu neigst, dich eher im “Warum” oder im “Problemraum” zu verlieren, mach gerne einen Kennenlern-Termin mit mir aus. Ich helfe dir, dein “Wofür” für einzelne Schritte oder deinen ganzen Lebensweg zu finden.

Symptome der Quarterlife Crisis

Bist du in deinen 20ern und fühlst dich irgendwie unzufrieden, ohne genau zu wissen, warum? Du bist nicht allein. Viele junge Frauen und Männer in deinem Alter erleben eine Quarterlife Krise. Das Besondere daran? Es ist nicht nur das Gefühl, mega unglücklich zu sein, sondern eher eine Art Unzufriedenheit mit dem Leben – und das kann knifflig sein. Der Wunsch nach Veränderung ist da, aber WAS und WIE soll sich ändern?

Vielleicht kennst du das: Ältere Generationen (zB die "Boomer") nehmen die Herausforderungen von Millennials und Gen Z nicht immer ernst. "Die sind doch jung, was können die schon für Probleme haben?" Aber die Realität ist eine andere. Die Welt verändert sich ständig, sei es durch Globalisierung, Klimawandel oder die Vielzahl von Möglichkeiten in Beziehungen, Karriere und Lifestyle. Das bringt eine Menge (Über-)Forderungen mit sich.

In der Lebensphase zwischen Mitte 20 und 30 stellen sich viele Fragen:

  • Ist mein aktueller Beruf der, den ich bis zur Pension ausüben möchte?
  • Ist mein*e Partner*in die Person, mit der ich mein Leben teilen möchte?
  • Wer zur Hölle bin ich überhaupt?
  • Was ist mir wirklich wichtig?


Und als wäre das nicht genug, gibt es zusätzliche Unsicherheiten:

  • Wie finde ich heraus, wer ich ohne meine Eltern bin?
  • Wie kann ich den Erwartungen meiner Familie gerecht werden? Inwieweit will ich das überhaupt?
  • Was mache ich mit meinem Geld?
  • Kann ich eine vernünftige Work-Life-Balance finden?
  • Ich bin erwachsen, aber warum fühle ich mich nicht so?


Ich bin hier, um junge Frauen auf ihrem Weg zur Selbstfindung zu begleiten. Jede von uns ist einzigartig, und es gibt keine Einheitslösung für die Quarterlifecrisis. Wenn du Unterstützung suchst, bin ich für dich da. Lass uns gemeinsam herausfinden, wie du diese Herausforderungen meistern kannst.

Nagomi

Ken Mogi hat ein ganzes Buch geschrieben, um den Lesenden die japanische Lebensphilosophie zu erklären. Ich fasse hier also mein Verständnis von Nagomi sehr kurz zusammen. Natürlich mit dem Fokus, mit dem ich mich ihm in meiner Arbeit als LSB widme.

Nagomi ist die japanische Lebensphilosophie, die die anderen Philosophien - wie beispielsweise Ikigai - vereint. Wer Nagomi erreicht hat, hat alle Elemente im eigenen Leben, und zwar die inneren sowie die äußeren, in ein fein austariertes Gleichgewicht gebracht, Balance hergestellt. Nagomi bedeutet das Eigene zu leben, den Umständen entsprechend, immer wieder zufriedenstellende Kompromisse einzugehen oder passende Lösungen zu finden, unter Einbeziehung der Akzeptanz dessen, dass wir manche Dinge nicht ändern können. Das Entwickeln der eigenen einzigartigen Identität ist Teil von Nagomi. “Nagomi entsteht, wenn unterschiedliche Elemente zu etwas Neuem verschmelzen.” (Ken Mogi)

Wer “nagomi” lebt, hat Harmonie im Inneren. Man könnte auch sagen: Inneren Frieden. Klingt schon erstrebenswert, nicht?


Nagomi baut auf vier Säulen auf (aus dem Buch):

  1. Führe glückliche Beziehungen mit deinen Liebsten, selbst wenn ihr nicht einer Meinung sind
  2. Lerne Neues und bleib dir dabei dennoch stets treu
  3. Finde Frieden in allem, was du tust
  4. Mische und verbinde Ungleiches, um ein harmonisches Gleichgewicht zu schaffen.


Buchempfehlung

Ken Mogi: Nagomi - Der Japanische Weg zu Harmonie und Lebensfreude
Dumont Verlag

Über die Quarterlife Crisis

Die Midlife Crisis ist gemeinhin bekannt, wenn sie auch oft missbräuchlich verwendet wird, um sich über Menschen lustig zu machen. Sie wird auch als “ein letztes Aufbegehren gegen das Altwerden” bezeichnet. Sinngemäß ist die Quarterlife-Crisis also der letzte Versuch, das Erwachsenwerden hinauszuzögern.

Quarterlife Krise ist ein Begriff für die Sinn- und Identitätskrise, die viele junge Menschen vor bzw. laut Autorin Birgit Adam rund um ihren 30. Geburtstag erleben. Laut ihrem Buch ist der Konflikt zwischen den eigenen Gefühlen und den Erwartungshaltungen von anderen im Alter von 25 bis 30 Jahren am größten. Menschen in diesem Alter fühlen sich noch nicht erwachsen, in gewissen Branchen sind sie unter Umständen aber bereits zu alt um einzusteigen.

Betroffene haben den Sprung in ein eigenständiges Leben häufig bereits abgeschlossen und stellen sich nun Fragen wie: Bin ich mit meinem gewählten Beruf wirklich zufrieden? Will ich Familie, wie soll sie aussehen? Soll ich tatsächlich nach der langen Ausbildung direkt ins Berufsleben einsteigen? Wie soll meine Work-Life-Balance aussehen?

Ursachen dieser Orientierungslosigkeit können unterschiedlich sein: Überforderung, ein hartes Ankommen in der Realität (Desillusionierung) oder Unzufriedenheit im Job. .

Junge Menschen haben Birgit Adams Ansicht nach den Gedanken, dass schon eine einzige Fehlentscheidung ihr Leben erheblich verändern und sogar unter Umständen “alles kaputt machen” könnte. Dazu kommt die oben beschriebene Krise, die sich nicht nur um den Sinn, sondern auch die Identität - Wer bin ich eigentlich? - dreht.

Aus ihrer Sicht sind auch Ziele, die während Schule und Studium vorgegeben waren, im Arbeits- und Lebensalltag jetzt aber vielleicht fehlen, Teil der Krise. Hinzu kommt, dass es in der heutigen Arbeitswelt häufig üblich ist, viele Überstunden zu machen, was wiederum dazu führt, dass keine Zeit für Hobbies bleibt. Bzw. weiß ich aus meiner Praxis, dass es junge Menschen gibt, die gar keine Hobbies mehr haben. Sie leben für den Job oder/und die Beziehung und eine Freizeit, die sich eher spontan ergibt. Wenn jemand das Gefühl hat, keinen Lebensinhalt außer der Arbeit zu haben, ist diese Person laut Birgit Adam besonders anfällig für die Quarterlife Crisis.

Eine Unzufriedenheit im Beruf begünstigt die Krise besonders. Die Unzufriedenheit besteht nicht allein aus der Unsicherheit, ob die Wahl denn tatsächlich die richtige ist, sondern ergibt sich auch durch Unter- oder Überforderung.


Aus meiner Sicht ist der Begriff Quarterlife Crisis nicht zu wörtlich als Lebenskrise zu sehen, da sie Ähnlichkeiten mit den Merkmalen einer psychosozialen Krise aufweist (Verlust des inneren Gleichgewichts, Überforderung durch Ereignisse oder Lebensumstände, keine Handlungsmöglichkeit, Angst, Druck) doch eher von einer Sinnsuche als von einem Sinnverlust geprägt ist.

Viele Betroffene finden den Weg aus dieser Krise selbst bzw. mit Hilfe von Freunden und Familie. Wenn die Quarterlife Crisis jedoch nicht zufriedenstellend endet, kann sie ins Burnout und zu Depressionen führen.


Birgit Adam sieht die Krise auch als Chance. Sie enthält die Aufforderung, unser Leben in Ordnung zu bringen und ist somit der erste Schritt zu einem Neuanfang. Hilfreich ist es, sich bewusst zu machen, was man schon erreicht hat. Außerdem brauchen wir Bewusstheit darüber, dass wir uns selbst im Laufe der Zeit stark verändern. Das bedeutet: Träume und Ziele verändern sich und entsprechen heute vielleicht nicht mehr dem Bild, das wir früher von uns hatten.

Buchempfehlung

Birgit Adam: Quarterlife Crisis - Jung, erfolgreich, orientierunslos
Heinrich Hugendubel Verlag